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Qidi Q2 3D-Drucker im Test: Solide Einsteigerleistung mit Multimaterial-Komplexität
Der Qidi Q2 ist ein leistungsfähiger, geschlossener CoreXY-Drucker mit guter Verarbeitungsqualität und einer reaktionsschnellen Benutzeroberfläche. Die Erweiterung um die Qidi Box für Multimaterial-Druck funktioniert zwar, erfordert jedoch umfangreiche Hardware-Modifikationen, die die Einrichtung verkomplizieren.
Einführung
Der Qidi Q2 ist ein komplett montierter, geschlossener CoreXY-Drucker, der als Einsteigermodell konzipiert ist. Er wird mit einer reaktionsschnellen Touchscreen-Oberfläche, aktiver Gehäuseheizung und einer internen Kamera zur Überwachung geliefert. Die optionale Qidi Box erweitert das Gerät um Multimaterial-Fähigkeiten und macht den Q2 zu einem Vier-Farben-System mit integrierter Filamenttrocknung. Nach mehrtägigen Tests sowohl des Druckers als auch der Multimaterial-Einheit erweist sich der Q2 als fähige Maschine mit unkomplizierter Bedienung, doch der Installationsprozess der Qidi Box bringt unerwartete Komplexität mit sich, die das Plug-and-Play-Erlebnis schmälert.
Einrichtung und erste Eindrücke
Die Inbetriebnahme des Q2 ist unkompliziert. Der Drucker wird komplett montiert geliefert; es müssen lediglich vier Schrauben zur Sicherung des Druckbetts entfernt, das Bildschirmkabel angeschlossen und die Stromversorgung hergestellt werden. Ein Einrichtungsassistent führt durch die Sprachauswahl, das Anheben des Druckbetts zur Entfernung des Verpackungsschaums und die Vorbereitung des Druckkopfs. Anschließend durchläuft der Drucker einen 18-minütigen Selbsttest und Kalibrierungszyklus, der Input Shaping beinhaltet. Dabei entstehen hörbare Vibrationsgeräusche, während das System lernt, Vibrationen bei Hochgeschwindigkeitsdrucken auszugleichen. Während der Einrichtung wird eine Wi-Fi-Verbindung angeboten, und der Prozess ist selbst für Neulinge im 3D-Druck gut verständlich.

Der Touchscreen ist ein 4,3-Zoll-Farbdisplay, das reaktionsschnell und übersichtlich gestaltet ist. Die Navigation durch die Menüs für Drucksteuerung, Filamentverwaltung und Systemeinstellungen ist intuitiv. Der Drucker unterstützt sowohl Wi-Fi als auch eine kabelgebundene Ethernet-Verbindung, was eine praktische Ergänzung für Nutzer ist, die stabile Netzwerkverbindungen bevorzugen.
Druckqualität und Testergebnisse
Der erste Testdruck war ein 17-minütiges Benchy aus der internen Dateibibliothek des Druckers. Der Druck war nach 26 Minuten abgeschlossen, wenn man das Vorheizen und die Bettabtastung mit einrechnet. Das Ergebnis zeigt leichtes Ringing und Stringing, wie es für geschwindigkeitsoptimiertes Slicing typisch ist, mit einer sichtbaren Z-Naht am Heck. Für einen schnellen Testdruck ist die Qualität akzeptabel und zeigt, dass die Kalibrierung der ersten Schicht zuverlässig funktioniert.

Nachfolgende Ein-Material-Drucke, darunter ein Qidi-Logo in 3D Solutech See Through Blue PLA und ein Abfallschacht, lieferten durchweg saubere erste Schichten und maßhaltige Ergebnisse. Das düsenbasierte System zur Bettabtastung sorgt für eine konsistente Haftung der ersten Schicht über mehrere Drucke hinweg.
Multimaterial-Einrichtung und Installation
Die Installation der Qidi Box erfordert mehr Hardware-Modifikationen als bei typischen Multimaterial-Systemen. Der Prozess umfasst den Austausch der Metallplatte des Abfallschachts, den Ersatz des Filament-Sensors, das Entfernen des ursprünglichen PTFE-Schlauchs und das Verlegen eines neuen Schlauchs durch den Riser. Nach diesen Modifikationen installiert man den Qidi Box Hub, verbindet vier PTFE-Schläuche zwischen Hub und Box, schließt drei Kabel an und stellt die Stromversorgung her. Das Endergebnis nutzt vier PTFE-Schläuche und drei Kabel, was eine komplexere Leitungsführung ergibt als bei Systemen anderer Hersteller, die mit nur einem Kabel und Schlauch auskommen.

Die Riser-Baugruppe lässt sich zusammenstecken und bietet Belüftung, wobei deren Notwendigkeit fragwürdig ist. Das Öffnen der Vordertür oder das Zurückschieben des oberen Glasdeckels hat einen messbareren Einfluss auf die Gehäusekühlung als die Riser-Lüftungsschlitze allein. Die gesamte Einrichtung fühlt sich aufwendiger an, als es für ein Produkt, das als einfache Erweiterung für einen Einsteigerdrucker vermarktet wird, nötig wäre.
Multimaterial-Druckqualität
Das Einlegen von Filament in die Qidi Box ist einfach: Filament einschieben, und es wird automatisch eingezogen. Der Auswurf wird über den Touchscreen gesteuert. Die Box trocknet das Filament während des Drucks, und das System unterstützt bis zu vier Boxen für 16-Farben-Fähigkeit. RFID-fähige Qidi-Spulen ermöglichen es dem Slicer, Filamenttyp und -farbe automatisch zu erkennen, wobei auch Fremdfilamente funktionieren, solange sie passen und der Drucker die Materialspezifikationen verarbeiten kann.
Ein mehrfarbiges CaliDragon-Modell, gedruckt bei 200 Prozent Skalierung, offenbarte die Realität des Multimaterial-Drucks mit einer einzigen Düse: erheblicher Abfall durch Spülvorgänge. Das fertige Modell wog 26 g, aber der Priming-Turm und der Spülabfall summierten sich auf 36 g, was zu einem Gesamtverbrauch von 62 g Filament führte. Die Anpassung der Spülwerte zur Reduzierung von Farbverläufen zwischen rotem und grünem Filament erhöhte den Abfall auf insgesamt 64 g – ein notwendiger Kompromiss für sauberere Farbübergänge.
Der erste Drache zeigte leichte Farbverläufe von Rot zu Grün und Probleme mit der Oberflächenbeschaffenheit durch Kühlung auf der rechten Seite des Gesichts. Die Erhöhung der Spülwerte, die Neupositionierung des Modells näher am zusätzlichen Kühlventilator, das Drehen des Modells in den Luftstrom, das Zurückschieben des oberen Glasdeckels und das Öffnen der Vordertür verbesserten den zweiten Druck spürbar. Der zweite Drache zeigte deutlich weniger Farbverläufe und eine bessere Oberflächenqualität, was beweist, dass das System zwar feinjustierbar ist, aber Experimentierfreude erfordert.
Was gut funktioniert
Der Q2 selbst ist ein solider Einsteigerdrucker. Die Ersteinrichtung ist unkompliziert, die Touchscreen-Oberfläche ist gut gestaltet und reaktionsschnell, und das Bauvolumen von 270 x 270 x 256 mm ist für viele Projekte praktisch. Das geschlossene Design mit aktiver Heizung (hält 65°C), Glastür und Seitenfenstern sowie die Innenbeleuchtung tragen zu einem professionellen Nutzererlebnis bei. Die doppelseitige, pulverbeschichtete PEI-Flexplatte und die gehärtete Stahldüse, die 370°C erreicht, unterstützen eine breite Palette an Materialien. Ethernet-Konnektivität neben Wi-Fi bietet Flexibilität bei der Netzwerkintegration.
Die Qidi Box selbst funktioniert wie vorgesehen: Sie fasst vier Spulen, trocknet das Filament während des Drucks und integriert sich in die Benutzeroberfläche des Druckers für eine einfache Filamentverwaltung. Das interne Netzteil ist eine praktische Designentscheidung, die ein separates Netzteil überflüssig macht.
Dinge, die zu beachten sind
Die Zeitschätzungen in der QidiStudio Slicer-Software sind optimistisch. Ein Druck, der auf 3,5 Stunden geschätzt wurde, dauerte 4 Stunden, was darauf hindeutet, dass der Slicer nicht alle Faktoren berücksichtigt, die die tatsächliche Druckdauer beeinflussen. Die meisten modernen Slicer liefern genauere Schätzungen, daher ist dies eine bemerkenswerte Lücke.
Der größte Reibungspunkt ist die Hardware-Modifikation, die für die Installation der Qidi Box erforderlich ist. Das Ersetzen von Sensoren, der Austausch von Schachtplatten und das Verlegen von PTFE-Schläuchen durch einen Riser ist deutlich aufwendiger als bei typischen Multimaterial-Erweiterungen. Für Nutzer, die neu im Multimaterial-Druck sind, mag diese Komplexität wie Standard wirken, aber im Vergleich zu anderen Systemen ist sie unnötig kompliziert. Eine zukünftige Revision, die den Hub in das Gehäuse der Box integriert und den korrekten Sensor sowie den Abfallschacht vorinstalliert, würde einen Großteil dieser Reibungspunkte beseitigen.
Spülabfall ist beim Multimaterial-Druck mit einer Düse unvermeidlich und kann ohne Werkzeugwechsel- oder Düsenwechseltechnologie nicht vermieden werden. Das 26-g-Modell, das 36 g Abfall erzeugt, ist typisch für diesen Ansatz, sollte aber verstanden werden, bevor man sich für mehrfarbige Drucke entscheidet.
Fazit
Der Qidi Q2 ist ein leistungsfähiger, geschlossener Einsteigerdrucker, der eine zuverlässige Kalibrierung der ersten Schicht, reaktionsschnelle Bedienelemente und eine gute Druckqualität für Ein-Material-Arbeiten bietet. Die Qidi Box Multimaterial-Einheit funktioniert wie konzipiert und fügt echte Vier-Farben-Fähigkeit mit integrierter Filamenttrocknung hinzu. Der Installationsprozess erfordert jedoch erhebliche Hardware-Modifikationen, die das Erlebnis verkomplizieren und die Einfachheit untergraben, die man von einem Add-on-System erwartet. Für Nutzer, die einen unkomplizierten Ein-Material-Drucker suchen, ist der Q2 eine solide Wahl. Wer Multimaterial-Fähigkeiten wünscht, für den funktioniert die Kombination aus Q2 und Qidi Box zwar, man sollte jedoch eine aufwendigere Einrichtung erwarten, als sie andere Multimaterial-Systeme bieten.
